n8n oder Make, und welches Werkzeug wirklich zu Ihrem Betrieb passt
Neulich fragte mich der Geschäftsführer eines kleinen Handelsbetriebs, ob er auf n8n oder auf Make setzen soll. Ein Bekannter hatte ihm das eine ans Herz gelegt, ein Video im Netz das andere, und er saß da mit zwei Namen und keiner Vorstellung, was der Unterschied für seinen Betrieb bedeutet. Beide Werkzeuge nehmen Ihnen dieselbe stumpfe Büroarbeit ab, beide sind ihr Geld wert. Die eigentliche Frage ist, welches zu Ihrer Größe, zu Ihren Daten und zu Ihrem Geldbeutel passt. Genau die beantworte ich Ihnen hier, ohne Fachchinesisch.
Zwei Wege zum selben Ziel
Beide lösen dieselbe Grundaufgabe. Sie verbinden die Programme, die in Ihrem Büro nebeneinanderher laufen, ohne miteinander zu reden, das Postfach, die Buchhaltung, die Kundenverwaltung, den Shop. Statt dass ein Mensch Daten aus dem einen Programm herausliest und ins nächste tippt, erledigt das die Software.
Der Unterschied liegt im Charakter der beiden. Make ist wie eine fertig eingerichtete Mietküche. Alles steht bereit, Sie legen sofort los, aber Sie kochen im Haus des Vermieters und nach seinen Regeln. n8n ist eher die eigene Werkstatt. Sie richten sie in einem gemieteten Raum ein oder, wenn Sie wollen, im eigenen Gebäude, zu dem sonst niemand einen Schlüssel hat. Diese Freiheit kostet am Anfang etwas mehr Mühe. Später zahlt sie sich aus.
Der Preis rechnet sich völlig unterschiedlich
Hier trennt sich am deutlichsten, was Sie am Monatsende zahlen. Make zählt jeden einzelnen Arbeitsschritt. Ein kleiner Ablauf mit fünf Schritten, der tausendmal im Monat läuft, sind schon fünftausend gezählte Aktionen. Bauen Sie einen Schritt dazu, dreht sich der Zähler schneller. n8n zählt in seiner Mietvariante nur den kompletten Durchlauf, egal ob der aus drei oder aus dreißig Schritten besteht. Und wenn Sie n8n auf einem eigenen gemieteten Server betreiben, geht die Zahl der Durchläufe niemanden etwas an außer Ihnen. Sie zahlen den Server, ein paar Euro im Monat, und damit hat es sich.
In Zahlen: Make startet bei rund zehn Euro im Monat für zehntausend dieser gezählten Schritte, n8n in der Cloud bei rund zwanzig Euro für 2.500 komplette Durchläufe. Auf den ersten Blick wirkt Make günstiger, und für eine winzige, simple Automatisierung ist es das oft auch. Sobald Ihre Abläufe aber Fahrt aufnehmen, viele Tausend Aktionen im Monat, oder ein Ablauf eine lange Liste Punkt für Punkt abarbeitet, läuft der Zähler bei Make davon und die Rechnung kippt spürbar zugunsten von n8n. Besonders aufpassen sollten Sie bei allem, wo künstliche Intelligenz mitspielt. Das frisst das Guthaben bei Make besonders schnell.
Ein Beispiel aus dem Alltag. Ein Ablauf, der jede eingehende Bestellung Position für Position durchgeht, zählt bei einer Bestellung mit zwanzig Positionen eben zwanzig Schritte, nicht einen. Bei Make sehen Sie das erst auf der Rechnung am Monatsende, bei n8n bleibt derselbe Vorgang ein einziger Durchlauf. Wer viele solcher Listen abarbeitet, zahlt bei den beiden am Ende sehr unterschiedlich, obwohl auf dem Bildschirm dasselbe passiert.
Wo Ihre Kundendaten landen
Für einen Betrieb im deutschsprachigen Raum wiegt der nächste Punkt oft schwerer als der Preis. Make läuft auf amerikanischer Technik, und der europäische Datenraum ist nicht von Haus aus eingeschaltet. Wenn niemand das aktiv umstellt, wandern Ihre Kundennamen und Rechnungsdaten stillschweigend über US-Server, und genau so etwas wird bei einer Prüfung unangenehm. n8n stammt von einem deutschen Unternehmen, seine Cloud steht von Anfang an auf europäischen Servern, und wenn Sie es auf dem eigenen Server betreiben, verlassen die Daten Ihr Haus überhaupt nicht. Für eine Arztpraxis, eine Kanzlei oder jeden, der mit heiklen Unterlagen arbeitet, ist das kein netter Zusatz, sondern der Punkt, an dem die Entscheidung fällt.
Leicht zu starten oder günstig zu wachsen
Ich bin ehrlich: Make ist der freundlichere Einstieg. Es wurde für Leute gebaut, die nicht programmieren, für Marketing, Büro, Vertrieb. Ihre erste nützliche Automatisierung klicken Sie an einem Nachmittag zusammen. n8n verlangt Ihnen zu Beginn mehr ab. Es ist für Menschen gemacht, die sich mit ein wenig technischer Struktur wohlfühlen, und die ersten Schritte fühlen sich steiler an. Der Lohn kommt später. n8n wird mit wachsendem Volumen günstiger und kommt mit den komplizierten Fällen zurecht, an denen Make sich den Kopf stößt, auch mit den neueren Automatisierungen, bei denen künstliche Intelligenz einen Teil der Arbeit übernimmt. Die Frage hinter der Frage lautet also: Wollen Sie den schnellstmöglichen Start oder den günstigeren langen Weg mit mehr Platz nach oben?
Woran es in Wirklichkeit scheitert
Was ich immer wieder sehe: An der Wahl des Werkzeugs scheitern die wenigsten Projekte. Sie scheitern danach. Bei Make an der ersten Rechnung, mit der niemand gerechnet hat, weil ein Ablauf öfter durchgelaufen ist als gedacht. Bei n8n daran, dass ein kleines Team es im Alleingang auf dem eigenen Server betreibt, ohne dass sich jemand mit Servern auskennt, und dann legt ein fehlendes Backup oder ein ausgelassenes Sicherheitsupdate am Montagmorgen die halbe Automatisierung lahm.
Ich baue seit Jahren Systeme, die im Hintergrund still ihre Arbeit tun. Für einen Kunden habe ich eine Lösung entwickelt, die nachts von allein Hunderte Server prüft, aktualisiert und am Morgen meldet, wo etwas nicht stimmt, ohne dass jemand eine Liste abarbeitet. Die Lehre daraus ist jedes Mal dieselbe. Zusammengeklickt ist so ein Ablauf in einer Stunde. Dass er auch in einem Jahr noch zuverlässig und sicher läuft, ohne dass Ihnen an einem Montag plötzlich die Buchhaltung fehlt, ist die eigentliche Arbeit. Welches der beiden Werkzeuge Sie nehmen, entscheidet weniger darüber, ob sich die Sache rechnet, als die Frage, ob jemand sie sauber aufsetzt.
Was ich Ihnen rate
Wenn Sie ein kleines Team ohne Technikleute haben, schnell starten wollen und Ihr Volumen überschaubar bleibt, ist Make die vernünftige erste Wahl. Schalten Sie nur gleich beim Einrichten den europäischen Datenraum ein, bevor das erste echte Kundendatum fließt. Wenn Sie mit heiklen Daten arbeiten, mit höherem Volumen rechnen, Ihre Automatisierung in der eigenen Hand behalten wollen oder vorhaben, künstliche Intelligenz einen Teil der Arbeit machen zu lassen, ist n8n den steileren Start wert. Und wenn Sie ehrlich nicht wissen, auf welcher Seite Sie stehen, ist das der häufigste Fall und nichts, wofür man sich schämen müsste.
Wenn Sie wollen, sagen Sie mir, welche Programme bei Ihnen die meiste Zeit fressen und wie heikel die Daten darin sind. Ich sage Ihnen ehrlich, welches der beiden zu Ihnen passt, wo es sich rechnet und wo Sie das Geld besser sparen.